
Naked and Famous | Cocktail-Rezept mit Mezcal & Aperol
Als Homebartender mit einer Vorliebe für Schlichtheit hat man es schwer im Instagram-Zeitalter. In all meinen Lieblingsdrinks liegen Oliven, Zwiebeln, Zesten und ganz gerne auch mal einfach: nichts. Ich rechne es einem Cocktail hoch an, wenn er nach keiner Garnitur verlangt, wenn er sich selbst genug ist. Allein: Instagrammable ist so viel Schlichtheit mit meinen rudimentären Kenntnissen der Photographie meist nicht. Und dann kommt sowas daher wie der Naked and Famous, geschmacklich ein Brett, gewagt, vogelwild. Verwegen geradezu. Die perfekte Verbindung aus Kräutern, Bitter, Rauch.
Und alle loben sie, dass der keine Deko braucht. Zurecht. Und sie lobpreisen seine tolle Farbe. Albern. Denn für mich sieht das grell-orange Teil aus wie ein Glas kalter Multivitaminsaft, aber der billige aus allen Konzentraten und mit lecker Karotin. Liebe auf den ersten Blick, die geht anders. Aber wenn man das karottige Glas dann zum Mund führt, wenn man die inneren Werte diese Drinks atmet und mit dem ersten Schluck diesen grotesken Mix aus Abenteuer und Balance in sich aufsaugt, ist alles Äußerliche Banalität. Denn dieser Drink braucht Garnitur so sehr wie junge Liebe Netzstrümpfe.
Die Story hinter dem Naked and Famous
Der Bartender Joaquín Simó erfindet den Naked and Famous Ende der 2000er in der weltberühmten New Yorker Bar Death & Co. und nennt ihn damals das “bastard child born out of an illicit Oaxacan love affair between the classic Last Word and the Paper Plane”, sprich den “in Oaxaca gezeugten Bastard aus der Liebe von Last Word und Paper Plane”. Letzterer ist ein moderner Drink aus der flüssigen Feder des New Yorker Bartenders Sam Ross und er vereint Bourbon, Amaro und Aperol mit Zitrone.
Das schöne am Aperol, den eingefleischte Cocktail-Nerds vielleicht erstmal erstmal mit Verachtung strafen werden: Er holt thematisch erstmal die komplette Spritz-Gang ins Boot. Gut, die kann sich wahrscheinlich nicht vorstellen, was Mezcal oder Chartreuse sein sollen, aber wenn Aperol drin ist, warum nicht einfach mal probieren? Genau das ist die Magie des Naked and Famous. Das und, zugegeben, der ziemlich geile Name.

Naked and Famous
Zutaten
Kochutensilien
Zubereitung
- Alle Zutaten auf Eis shaken.
- In eine gefrostete Coupette abseihen.
- Trinken.
Die richtigen Zutaten für den Naked and Famous
Eigentlich sind der gelbe Chartreuse und der Aperol gesetzt. Eigentlich. Denn wenn man den Drink aus der Story-Perspektive betrachtet, wenn man sich die zugrundeliegenden Original-Rezepte anschaut und dieses 1:1:1:1-Verhältnis der Zutaten beibehalten will, kann man da gar nicht viel spielen. Und warum sollte man auch, der funktioniert genau so, wie er da steht, dieser Naked and Famous. Aber freilich kann man den Aperol gegen einen Campari, Rinomato, Mondino oder einen anderen knallroten Amaro austauschen. Das wird immer ein wenig anders, aber eigentlich immer gut (unser Highlight bleibt allerdings der Mondino, der hat die schönste Balance hier). Gelbe Chartreuse? Hat kaum einer zu Hause, weil man sie für nichts braucht. Sorry, gelbe Chartreuse. Wer die grüne hat (die man sehr, sehr oft braucht als Homebartender), nimmt einfach die halbe Menge und kommt geschmacklich auf ein erstaunlich baugleiches Ergebnis.
Bleibt der Mezcal. Wer die rauchige mexikanische Wuchtbrumme kennt, vermixt sie oft nur zaghaft, weil sie gerne mal alles andere im Drink komplett überfährt. Kann euch hier allerdings nicht so leicht passieren: Zwischen Chartreuse, Limette und Amaro ist der Mezcal ein – zugegeben: wichtiges, aber eben auch nur – Team-Mitglied unter vielen. Ergo gilt der Grundsatz: Nicht das teuerste, fein-nuancierteste an Agavenschnaps hernehmen, aber halt auch keinen Schund. Del Maguey Vida Mezcal und der 42%-ige Topanito Mezcal machen in unseren Tests hier die beste Figur in Sachen Preis-Leistung und eignen sich ohnehin beide sehr gut als Einstieg in die komplexe Welt der Agaven. Generell lässt sich im Naked and Famous aber sowohl mit milderen als auch mit abgefahren-rauchigen Mezcals spielen. So verbauen wir etwa einen eher fruchtigen Mezcal Local in einer sehr feinen Variante des Cocktails, müssen aber sein Volumen mal 1,5 nehmen – was es aber mehr als wert ist.