
Die beliebtesten Cocktails der Deutschen: Diese Klassiker landen wirklich im Glas
Wenn Bar-Magazine über Trends schreiben, geht es gern um fermentierte Shrubs, geklärte Milch-Punches und Drinks mit Aktivkohle. Die Wahrheit an deutschen Tresen und in deutschen Küchen sieht anders aus – und wir finden: erfrischend ehrlich. Was hierzulande wirklich gemixt wird, ist bodenständig, süffig und erstaunlich konstant. Wir haben über Jahre Suchanfragen, Barkarten und unsere eigenen Leserzahlen beobachtet und daraus ein Ranking der beliebtesten Cocktails der Deutschen gebaut. Hier kommt es – mit unserer ungefilterten Meinung dazu.
Woher wir wissen, was Deutschland trinkt
Vorweg zur Methodik, damit niemand glauben muss, wir hätten gewürfelt: In das Ranking fließt ein, wonach in Deutschland gesucht wird, was auf den Karten von Bars zwischen Hamburg und München steht und welche Rezepte bei uns Jahr für Jahr am häufigsten gelesen werden. Das ist keine klinische Studie – aber es ist verdammt nah dran an dem, was tatsächlich in Gläsern landet. Und das Ergebnis hat uns an einigen Stellen selbst überrascht.
Die Top 10: Wodka schlägt alles
Platz 1: Moscow Mule. Der Kupferbecher-Klassiker ist die unangefochtene Nummer eins – und ehrlich gesagt völlig verdient. Drei Zutaten, kein Shaker, kaum Fehlerpotenzial und trotzdem ein Drink mit Charakter. Genau so gewinnt man ein Land.
Platz 2: Old Fashioned. Der Urvater aller Cocktails auf dem Silberrang zeigt, dass die Deutschen mehr Barkultur im Blut haben, als man ihnen nachsagt. Whisky, Zucker, Bitters – mehr war nie nötig.
Platz 3: White Russian. Der Dude lässt grüßen. Dass ein Sahne-Drink es aufs Treppchen schafft, sagt viel darüber, wie gern wir es hierzulande cremig und unkompliziert mögen.
Platz 4: Mexikaner. Der scharfe Tomaten-Shot ist das wohl deutscheste Phänomen dieser Liste: in keiner internationalen Rangliste zu finden, aber aus keiner Kneipe zwischen St. Pauli und Kreuzberg wegzudenken.
Platz 5: Cosmopolitan. Sex and the City ist lange her, der Cosmo bleibt. Zu Recht: Richtig gemixt ist er trocken-fruchtig und elegant – und eben nicht das rosa Zuckerwasser, für das ihn viele halten.
Platz 6: Mai Tai als bester Tiki-Vertreter, Platz 7: Gin Basil Smash als jüngster Drink der Top 10 – eine Hamburger Erfindung, die es in gut fünfzehn Jahren vom Bar-Experiment zum Volksgetränk gebracht hat. Platz 8: Whiskey Sour, der ewige Liebling aller, die „eigentlich keinen Whisky“ trinken. Platz 9: Martini, das Statement-Getränk unter den Klassikern. Und Platz 10: Sex on the Beach – belächelt von jedem Bartender, bestellt von allen anderen.
Die Plätze 11 bis 25: Urlaub, Kindheit und ein Münchner Lokalheld
Direkt hinter den Top 10 wird es tropisch: Bahama Mama (11), Long Island Iced Tea (12) und der Munich Mule (13) – die Gin-Antwort auf den Moscow Mule – führen das Verfolgerfeld an, gefolgt von Mojito (14), Daiquiri (15) und Caipirinha (16). Dass die Piña Colada (17) und der Margarita (20) so weit vorn liegen, überrascht uns nicht: Beide sind Urlaubsgefühl in Glasform, und genau dafür mixen die meisten zu Hause.
Spannender finden wir das Mittelfeld dahinter: Vodka Martini (18) und Dirty Martini (19) zeigen, dass die Martini-Familie insgesamt dreimal in den Top 20 vertreten ist. Der Gin Tonic (22) rangiert niedriger, als sein Supermarkt-Erfolg vermuten ließe – vermutlich, weil ihn viele gar nicht mehr als Cocktail zählen. Und der Espresso Martini (24) samt Gimlet (25) beweist, dass Barkultur-Trends eben doch irgendwann in der Breite ankommen – nur ein paar Jahre später als in den Metropolen.
Die hintere Hälfte: Wo die Perlen versteckt sind
Ab Platz 26 wird die Liste für Kenner erst richtig interessant, denn hier verstecken sich die Drinks, die in Bars gerade ihr Comeback feiern: Der Paloma (27) ist für uns der am meisten unterschätzte Tequila-Drink überhaupt, der Hurricane (28) bringt New-Orleans-Feeling in jede Küche, und der Negroni (30) beweist, dass Bitterkeit mehrheitsfähig werden kann. Auch der Amaretto Sour (33), der Garibaldi (34) und der knallblaue Blue Hawaii (35) halten sich beachtlich – Drinks, die vor ein paar Jahren noch als angestaubt galten und heute wieder auf jeder zweiten Karte stehen.
Ganz hinten im Ranking finden sich schließlich die Liebhaber-Stücke: der Old Cuban (39) als edler Mojito mit Schaumwein, der Swimming Pool (42) als cremiges Relikt der Achtziger, der florale Aviation (44) und der berüchtigte Zombie (45). Dass diese Drinks überhaupt in einer deutschen Beliebtheitsliste auftauchen, zeigt für uns vor allem eines: Die Neugier wächst. Wer sich durch die Top 10 gemixt hat, hört offenbar nicht auf – er arbeitet sich nach hinten durch.
Was uns die Liste über deutsche Hausbars verrät
Drei Dinge lesen wir aus diesem Ranking. Erstens: Wodka ist und bleibt die heimliche Volksspirituose – vier der Top-5-Drinks basieren darauf. Zweitens: Einfachheit gewinnt. Fast alles in den Top 10 kommt mit drei, vier Zutaten aus; komplizierte Drinks mit hausgemachten Sirups tauchen erst weit hinten auf. Drittens: Die Deutschen trinken nostalgisch. Kaum ein Drink der Liste ist jünger als fünfzehn Jahre – Klassiker schlagen Trends, jedes Jahr aufs Neue.
Unser Rat für alle, die daraus eine Hausbar ableiten wollen: Mit einer guten Flasche Wodka, einem Bourbon, einem Gin, Limetten und Ginger Beer deckt ihr bereits die halbe Top 10 ab. Dazu Kahlúa und Sahne für den White Russian, Cranberrysaft für den Cosmo – und ihr könnt an einem einzigen Abend die komplette Spitze dieses Rankings durchmixen. Genau in dieser Reihenfolge würden wir es übrigens auch tun.