
Homebar unter 100 Euro: So wird die Ecke im Wohnzimmer zur Lieblingsbar
Die besten Drinks des Sommers entstehen gerade nicht in der Bar, sondern zu Hause: auf dem Küchentresen, an der Ecke im Wohnzimmer, auf dem Regal, das bisher nur Staub gesammelt hat. Alles, was zwischen euch und der eigenen Hausbar steht, ist ein einziger Einkauf – und der muss keine Ersparnisse kosten. Mit 100 Euro, einem Gang in den Supermarkt und einem ins Fachgeschäft steht bei euch daheim eine Bar, die mehr Drinks kann als so mancher Tresen in der Innenstadt. Wir zeigen, wie ihr das Budget klug verteilt – und welche Fehler ihr euch spart.
Falsche Frage: Was brauche ich? Richtige Frage: Was will ich?
Der klassische Anfängerfehler: loszuziehen und „eine komplette Hausbar“ kaufen zu wollen. Wer das macht, kommt mit leerem Geldbeutel und einer Kiste voller Staubfänger zurück. Der klügere Weg beginnt bei euren Lieblingsdrinks: Nehmt die fünf Cocktails, die ihr am liebsten bestellt, und schaut in die Rezepte. Was haben sie gemeinsam? Welche Spirituose taucht überall auf? Wird geschüttelt oder gerührt? Welches Glas steht da eigentlich auf dem Tisch?
Daraus entsteht eure Einkaufsliste mit Prioritäten: Steckt in allen fünf Drinks gereifter Rum, kommt der ganz nach oben. Brauchen drei davon Angostura Bitters, gehören die in die Mitte. Nur ein Drink verlangt einen Tumbler? Dann kann das Glas warten – Gläser lassen sich am Anfang am leichtesten durch das ersetzen, was im Küchenschrank steht. Nichts motiviert für dieses Hobby mehr, als sich zu Hause den besten Drink zu mixen, den man je getrunken hat. Nichts demotiviert schneller, als sich durch ein halbes Rezeptbuch voller Mittelmaß zu arbeiten.
Die 100 Euro, klug verteilt
- ~30 Euro: die Basis-Spirituose. Eine gute Flasche der Sorte, die in euren Lieblingsdrinks steckt – lieber eine ordentliche als zwei billige.
- ~20 Euro: die zweite Flasche. Wermut, Likör oder die Zweitspirituose, die eure Top-5-Rezepte verlangen.
- ~20 Euro: Shaker, Jigger, Barlöffel. Das Dreigestirn der Bartools. Mehr Werkzeug braucht am Anfang niemand.
- ~15 Euro: Frische aus dem Supermarkt. Zitronen, Limetten, Zuckersirup (oder Zucker zum Selberkochen), eventuell Bitters.
- ~15 Euro: Gläser und Eis. Vier solide Tumbler aus dem Haushaltsregal reichen; dazu Eiswürfelformen – große Würfel, das Gefrierfach übernimmt den Rest.
Mit dieser Aufteilung mixt ihr ab dem ersten Abend echte Klassiker: einen Whiskey Sour, einen Moscow Mule oder einen Gin Tonic, der mit dem aus der Kneipe locker mithält.
Von der ersten Flasche bis zur Vollausstattung
Die Mindestanforderung an die Erstausstattung ist simpel: Ihr solltet euch euren absoluten Lieblingsdrink mixen können, plus die Plätze zwei bis fünf – notfalls mit kleinen Abwandlungen. Alles andere ist Bonus. Danach beginnt das schönste Spiel des Hobbys: „Was kann ich noch mixen?“ Schaut mit eurem Bestand in unsere Rezept-Kategorien – wer etwa Rum und Wermut im Regal stehen hat, entdeckt bei den Cocktails mit Rum sofort mehrere Drinks, für die nur noch eine Kleinigkeit fehlt. Diese Kleinigkeit kommt auf die nächste Einkaufsliste, und die Hausbar wächst Flasche für Flasche mit – im Tempo eures Budgets, nicht im Tempo eures Übermuts.
Was ihr euch sparen könnt
Genauso wichtig wie die Einkaufsliste ist die Nicht-Einkaufsliste. Billige Cocktail-Sets mit acht Teilen, von denen sechs nach zwei Wochen in der Abstellkammer landen: sparen. Der Karton mit zwölf identischen Gläsern: sparen – vier reichen, und Nachschub gibt es überall. Der exotische Likör, den genau ein Rezept auf der Welt verlangt: sparen, bis dieses eine Rezept wirklich euer Lieblingsdrink ist. Und Deko-Schnickschnack wie Plastik-Flamingos und LED-Strohhalme sowieso. Jeder gesparte Euro wandert stattdessen in die eine Sache, die man an einer Hausbar wirklich schmeckt: die Qualität der ersten Flasche.
Ein Wort noch zum Einkaufsort: Frische und Filler holt ihr im Supermarkt, die Spirituosen lohnen den Weg ins Fachgeschäft – dort bekommt ihr für dasselbe Geld fast immer die bessere Flasche samt ehrlicher Beratung. Wer einmal erklärt hat, welche fünf Drinks er mixen will, geht selten mit etwas Falschem nach Hause.
Für wen sich das lohnt – und warum gerade jetzt
Die 100-Euro-Hausbar ist für alle, die im Sommer lieber auf dem eigenen Balkon oder mit Gästen am Küchentisch sitzen als in der überfüllten Bar: Der erste Abend mit vier Gästen hat die Anschaffung praktisch schon wieder eingespielt – vier Runden Cocktails auswärts kosten mehr. Und anders als der Barbesuch bleibt bei euch etwas zurück: Werkzeug, Wissen und der Moment, in dem zum ersten Mal jemand am eigenen Wohnzimmertresen fragt, ob er noch einen bestellen darf.
Unser Rat zum Schluss: Kauft nichts auf Vorrat, was ihr nicht in den nächsten zwei Wochen mixen wollt. Die beste Hausbar ist nicht die vollste – es ist die, aus der jede Flasche regelmäßig aufs Tablett kommt.